5.4Hof 3

5.4.1 Organisation
5.4.1.1 Bereichsaufteilung
5.4.1.2 Besprechungen und Absprachen
5.4.1.3 Mahlzeiten
5.4.2 Soziale Strukturen
5.4.3 Konflikte und Konfliktpotentiale (Ursachen und Auswirkungen)
5.4.4 Umgang mit Konflikten
5.4.5 Erfahrungen daraus, was daraus gelernt?




Diese schon ältere Hofgemeinschaft ist flächenmäßig die größte der untersuchten Hofgemeinschaften, mit einem hohen Anteil an Marktfrüchten und Getreiden in der Fruchtfolge und einem großen gärtnerischen Bereich, mit nur wenig Grünland, aber nicht mit den meisten auf dem Hof arbeitenden oder lebenden Menschen. Zwar gibt es viele Verantwortliche und auch viele Lehrlinge, dafür verhältnismäßig wenige fest angestellte, auf dem Hof lebende Mitarbeiter, einige kommen für die Vermarktung aus dem Dorf. Grundsätzlich würde ich die Produktionsbedingungen im Verhältnis zu den anderen Hofgemeinschaften als mittelmäßig einschätzen. Die Arbeitsbedingungen sind recht gut - die festen Arbeitszeiten verlangen nur gute 9 Stunden Arbeit von den Mitgliedern der Hofgemeinschaft.

Dieser Hof ist, obwohl er etwas außerhalb vom Dorf gelegen ist, gut in das Dorfleben eingebunden. Es bestehen Kontakte zum Dorf, auch die Verbindungen zu Kunden sind vielfältig, hier besteht ein gutes Verhältnis. Dahingegen ist die Hofgemeinschaft relativ autark, was die (maschinelle) Zusammenarbeit mit anderen Höfen betrifft.

5.4.1 Organisation

5.4.1.1 Bereichsaufteilung
Auch dieser Hof ist so wie andere typische Hofgemeinschaften (vergl. KÖNIG 2002) in verschiedene "typische" Arbeitsbereiche unterteilt. Und bis auf die Vermarktung, in der drei Personen verantwortlich tätig sind, und die Reparaturen mit zwei Verantwortlichen, ist in jedem Bereich nur ein Verantwortlicher tätig, teilweise eine Person mit mehreren Verantwortungsbereichen. Jeder ist für den ganzen Betrieb voll verantwortlich, hat in seinem Bereich aber relativ große Gestaltungsmöglichkeiten. Lehrlinge und langjährige Angestellte und Aushilfskräfte helfen bei der Arbeit. Einige Arbeit (u.a. in der Vermarktung) wird insofern auch von auswärts wohnenden Angestellten (den Aushilfskräften) erledigt.

Zu Anfang war gedacht, den Hof nicht so stark in Bereiche aufzuteilen, sondern alles gemeinsam zu machen. Mit zunehmender Größe und Spezialisierung wurde dann aber deutlich, daß nicht jeder jede Arbeit machen kann und will, so daß sich langsam die drei Schwerpunkt-Bereiche Acker, Stall und Gemüse herauskristallisiert haben und irgendwann auch bewußt getrennt wurden. Kleinere undefinierte Bereiche bleiben öfters erst einmal liegen, bis es nicht mehr anders geht und sich irgend jemand dann aufrafft und das einfach erledigt, vielleicht sogar die Arbeit der anderen unausgesprochen mit übernimmt oder aber daß diese anstehende Arbeit in der Arbeitsbesprechung angesprochen und dann vergeben wird.

5.4.1.2 Besprechungen und Absprachen
Zur Abstimmung der Arbeiten wird täglich eine Arbeitsbesprechung durchgeführt. Hier sehen sich die Mitglieder kurz einmal, häufig wird zusammen kurz etwas gesungen, dann wird sehr zivilisiert (u.a. wegen der vielen Personen) berichtet, was in welchen Bereichen getan werden muß und wo evtl. noch zusätzliche Hilfe benötigt wird. Nachdem der Fahrzeugbedarf geklärt ist, gehen alle an ihre Arbeit. Bei wöchentlichen Treffen der Betriebsgemeinschaft, bei denen über alles Wichtige gesprochen wird, von Arbeit über Mitarbeiter, Betriebsplanung, Finanzen oder Probleme aller Art, sind sowohl die BG-Mitglieder anwesend als auch potentielle Anwärter auf Einstieg in die BG. Ebenso bei den jährlich stattfindenden "Wintertagungen", wo während gut zwei Wochen ein meist soziales Thema gemeinsam bearbeitet wird, in dem sich die einzelnen Mitglieder auch wiederfinden können., können außer den BG auch langjährige Mitarbeiter und anwärter teilnehmen.

Die Möglichkeit, auf betriebliche oder soziale Dinge Einfluß zu nehmen, hängt stark von dem Fachwissen und dem Engagement der betreffenden Person ab. Die meisten Entscheidungen werden von den BG-Mitgliedern gefällt, wobei teilweise die Meinungen der "betroffenen" Personen vorher eingeholt werden. Anwärter auf Einstig in die BG werden während ihres Probejahres natürlich in möglichst alle Entscheidungsprozesse (auch die BG-Besprechungen) mit einbezogen.

Die wöchentlichen Treffen der BG dienen dem Austausch der verschiedenen Meinungen, so daß daraus ein gemeinsames Bild entwickelt werden kann. Stehen Entscheidungen an, so werden die Aufgaben anschließend delegiert, wobei recht klar ist, wer was kann und wer demzufolge welche Aufgaben übernimmt, ohne daß das jedesmal festgelegt werden muß. Manchmal werden aber auch anstehende Entscheidungen an vielleicht drei Personen delegiert, die sich damit näher auseinandersetzen.

5.4.1.3 Mahlzeiten
Der soziale Austausch während der Arbeitszeit ist vielleicht bei den Gärtnern recht gut möglich und auch ziemlich ausgeprägt, in den anderen Arbeitsbereichen gibt es da nicht so viele Möglichkeiten. Hier dienen neben der Arbeitsbesprechung und evtl. Singen oder anderen abendlichen gemeinsamen Aktivitäten die Mahlzeiten dem sozialen Austausch. Wie auf anderen Höfen auch wird in den Familien gegessen, teilweise bestehen für Mittags "Kochgemeinschaften", so daß nicht jeder immer kochen muß. Die Lehrlinge essen bei ihrem "Lehrherren" mit am Tisch, so daß die Ausbildungsbereiche Gärtnerei und Acker/Stall wenig zusammen sind. Z.Zt. ist es so, daß die gesamte Stall- und Ackerbesetzung an einem Tisch essen, sowie ein gärtnerischer Mitarbeiter. Es gibt auch Familien, die für sich essen, nur mit ihren Kindern. Die Tischrunden sind morgens, mittags und zum Kaffee gleich, wer abends noch etwas essen möchte, macht sich selbständig etwas.

Tischthemen sind oft sachliche arbeitsbezogene Probleme, weltpolitische Angelegenheiten, aber so gut wie nie werden soziale Probleme angesprochen. Vielleicht wenn sich menschlich jemand verletzt fühlt, daß das dann zum Vorschein kommt, aber Konflikte gehören dort nicht hin. Diese "gesittete" Tischkultur schwankt manchmal auch in eher lockere Ausgelassenheit, das hängt davon ab, wer da ist, von wem die Runde geprägt wird.

5.4.2 Soziale Strukturen

Obwohl es sehr unterschiedliche Temperamente und Charaktere sowie Altersstufen auf dem Hof gibt, haben sie m.E. nach eine gemeinsame "Kultur" entwickelt, wie sie miteinander umgehen. Es lebt sehr viel gegenseitige Rücksichtnahme im sozialen Bereich, jeder hat klar seine Bereiche abgesteckt, und im sozialen Bereich ist klar, daß die HG-Mitglieder nicht enge Freunde sind oder sein müssen. Die Herzensangelegenheiten der anderen sind nicht unbedingt bekannt, und wenn man Probleme ahnt, werden sie eher nicht angesprochen, um dem anderen die Freiheit zu lassen, seine Privatangelegenheiten selber zu regeln oder von sich aus anzusprechen. Über zwischenmenschliche Themen wird im täglichen Leben nicht so viel gesprochen. Auch ist sehr stark ausgeprägt, daß jeder in seinem Bereich etwas bedeuten will, diesen Bereich in Schutz nimmt und sich leicht auf die Füße getreten fühlt, wenn dort mal etwas angemerkt wird.

Insofern sind die sozialen Kontakte gering, jeder lebt eher für sich alleine, das wird aber durch relativ viele gemeinsame Aktivitäten der HG wie Singen oder kultuerelle Ereignisse in der Stadt kompensiert. Außerdem bietet die Wohnsituation (alle Lehrlinge wohnen beieinander, die Verantwortlichen jeder in eigenen Wohnungen oder Häusern) unter den Lehrlingen die Möglichkeit zu Kontakten, bei den Verantwortlichen eher nicht. Diese gemeinsamen Tätigkeiten und Begegnungen außerhalb der Arbeit sind notwendig, um sich als Gemeinschaft zu fühlen, wobei jeder sein persönliches Maß zu haben scheint, wieviel er in Gemeinschaft machen will und wann es ihm zu viel wird.

Aufgrund von Kompetenzen und viel fachlichem Wissen gibt es eine Person, die inen recht großen Einfluß auf die Gestaltung des Hofes ausüben kann, wobei das nicht gewollt ist, und alle sich als "einer unter Gleichen" fühlen können. Es bestehen auch keine wirklichen Informations"monopole". Es kommt manches Mal vor, daß jemand nicht alle Infos bekommt, weil er nicht bei der Arbeitsbesprechung dabei war und man ihn vielleicht nicht im Bewußtsein hatte, oder aber man ist im Streß, er auch, und man hofft, es sagt ihm ein anderer.

Eine weitere Person gibt es, die sich auf dem Betrieb (HG) offensichtlich nicht wirklich wohl fühlt. Sie ist mit ihrer Rolle auf dem Betrieb nicht zufrieden - langfristig könnte es hier zu offenen Konflikten kommen, weil jemand in seinen Bedürfnissen eingeschränkt ist! (er möchte gerne Verantwortung tragen, die ihm aber nach eigener Darstellung nicht gewährt wird - von anderer Seite wird aber beobachtet, daß er den Anforderungen nicht gerecht wird, aber auch nicht offen sagen mag, daß "etwas nicht stimm").

5.4.3 Konflikte und Konfliktpotentiale (Ursachen und Auswirkungen)

5.4.3.1 persönliche Konfliktursachen
Die befragten BG-Mitglieder nannten als häufige Ursachen von Konflikten einmal "Mißverständnisse" oder andere Vorstellungen, als der andere hat; ein anderes Mal, daß Kritik schwer angenommen werden könne bzw. daß aufgrund von mangelnder (gleichwertiger) Anerkennung der Leistungen des anderen Konflikte entstehen oder gar, daß durch Entscheidungen, die getroffen werden, Konflikte hervorgerufen werden.

Scheinbar sind sich die BG-Mitglieder nicht ganz einig, wohin sich der Hof entwickeln soll, welche Ziele oberste Priorität haben. Das Bewußtsein vom Ganzen scheint geringer als zur Gründungszeit, weil jeder sich vor allem in seinem Bereich engagiert, während früher angestrebt war, daß alle in allen Bereichen mitwirken.

Daß Konflikte erst mit der Entscheidung offensichtlich werden, liegt daran, daß mit der Entscheidung die erst nur unterschiedliche Meinung in eine feste (teilweise nicht akzeptierte) Handlungsweise umgesetzt werden soll. Wenn eine Einschränkung erlebt wird (was vor der Entscheidung noch nicht offensichtlich war), besteht ein Konflikt, dem im Vorfeld vorgebeugt werden könnte, indem ein gemeinsames Leitbild erarbeitet wird oder häufiger über gemeinsame Ideen gesprochen würde.

Weil hier die Arbeitszeiten klar festgelegt und auch die Arbeitsbereiche klar zugeteilt sind, Mütter nicht unbedingt arbeiten müssen und es viele Menschen gibt, die sich gegenseitig aushelfen können, scheint es nicht so häufig zu Rollenkonflikten zu kommen.

5.4.3.2 sachliche Konfliktursachen (strukturell, organisatorisch)
Hier scheinen sachliche Konfliktursachen von zumindest einem Mitglied der BG nicht bewußt vorzuliegen, ein anders BG-Mitglied nannte aber Kompetenzthemen als einen häufigen Konfliktentzünder. Streitigkeiten und unterschiedliche Meinungen zu knappen Gütern (wie Zeit oder Geld) oder Regelungen können hier offensichtlich (zumindest unter den BG-Mitgliedern) leicht abgeklärt werden. Es kommt aber vor, daß eigentlich sachliche Themen personifiziert werden. So stehen die BG-Mitglieder vor der Frage: wollen wir Produkt A von Person 1 oder wollen wir Produkt B von Person 2? Weil Person 2 schon viel Vorarbeit geleistet hat, fühlte sich Person 1 übergangen und bringt ihre Emotionen mit in die (sachliche) Angelegenheit mit ein. Insofern sind auch persönliche Vorlieben im Spiel. Und der Zweifel, ob die andere Person ihre Versprechen/Vorstellungen auch einhalten kann, tut sein Seiniges dazu. So steht man nicht vor der Frage, welches Produkt wollen wir, sondern gleichzeitig ist die Frage nach der Stellung der Person in der Gruppe mit im Spiel.

Es gab Fälle, in denen Entscheidungen zu größeren Wirtschaftsgeräten gefällt werden mußten, die offenbar nicht wirklich einstimmig waren, daß jemand sein "Ja" gegeben hatte, obwohl er dies nicht wirklich meinte. Da heraus ist dann leicht Unbehagen entstanden und das Bewußtsein, daß man doch noch mal nachbohren muß, wenn man meint, das "Ja" des anderen ist nicht wirklich so gemeint.

In einer Familie besteht eindeutig ein Konflikt betreffs knapper Güter, in diesem Falle Zeit. Jeder möchte nicht nur im Haushalt arbeiten, sondern auch draußen, im Laden. Immer wieder taucht die Frage auf, wer den Haushalt macht (der natürlich darunter leidet), und immer wieder kommt es vor, daß der eine dem anderen vorwirft, seine Pflichten im Haushalt nicht genügend wahrzunehmen.

Ein anderes Phänomen ist angeblich, daß Mütter mit schon älteren Kindern sich mehr "freie" Zeit wünschen, ähnlich wie dies die Mütter mit noch kleinen Kindern haben. Hier scheint bei manchen das Vertrauen in den Grundsatz, daß jeder so viel arbeitet wie er kann und mag, nicht voll vorhanden zu sein.

Zu den Konflikten aufgrund von Kompetenzzweifeln oder Eingriffen in andere Bereiche oder die unterschiedliche Anerkennung der Arbeit in den verschiedenen Bereichen ist zu sagen, daß hier offensichtlich, obwohl die Arbeitsbereiche klar abgegrenzt sind, die "Verantwortlichkeit" nicht wirklich jedem in seiner vollen Reichweite zuerkannt wird, daß offiziell vergebene "Mandate" und Aufgaben nicht immer bis in die letzte Konsequenz abgegeben werden, sondern daß es (vielleicht) Menschen gibt, die sich die letzte Entscheidung vorenthalten wollen.

Manches Mal können auch Konflikte aufgrund von Regelungen (wie z.B. jedes Werkzeug wieder an seinen Platz zurückzuräumen) entstehen, die jemanden stören. Hier besteht aber die Sitte, sie zwecks reibungslosem Ablauf zu akzeptieren. Falls es zu Änderungswünschen kommen sollte, sind die BG-Mitglieder bereit, darüber zu reden, während ein Lehrling ganz klar sagt: daß es hier nie passieren würde, daß jemand eine Regel als unpassend erleben würde.

Speziell aufgrund von arbeitstechnischen Abläufen kann es auch zu Konflikten kommen, wenn die Absprachen und Arbeitsanweisungen nicht ausreichend klar sind oder Verabredungen nicht eingehalten werden. Dies ist hier aber weniger der Fall, weil die Arbeitsbesprechungen und Einweisungen in Arbeitsbereiche sehr klar und präzise erfolgen.

Auffällig ist, daß die Verantwortlichen der HG eher landwirtschaftliche Ziele auf den Fragebögen angaben und der Umwelt etwas Gutes tun wollen (mit der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise), daß aber gerade unter den Lehrlingen auch stark die soziale Komponente der Gemeinschaft auf den Fragebögen betont wird. In der Realität bestehen aber nicht so gravierende Unterschiede zwischen den Zielen von Verantwortlichen und Lehrlingen. Auch der BG sind sie sozialen Aspekte sehr wichtig, sie waren u.a. ein wichtiger Gründungsaspekt, der auch heute noch gelebt wird.

5.4.3.3Auswirkungen auf die Kommunikation
In kritischen Situationen ist die Kommunikation meistens besser. Genauso wie auf Hof 2 wurde auch hier gesagt, daß dann kritische Situationen entstehen, wenn man sich nicht genügend austauscht. Aber ist das bewußt, dann ta uscht man sich auch wieder aus.

5.4.4 Umgang mit Konflikten

Die Mitglieder der HG gehen offensichtlich sehr unterschiedlich mit Konflikten um. Es gibt welche, die offene Konflikte nicht aushalten können und sich sofort auf den Weg machen, um mit dem entsprechenden Menschen zu reden und das Problem möglichst zu lösen. Andere schreiben lieber, weil ihnen das direkte Sprechen schwer fällt. Andere warten auf einen geeigneten Moment. Dann gibt es jemanden, der erst einmal wütend wird, oder einige, die Konflikte einfach ignorieren und nichts unternehmen.

Es gibt keine bestimmte Form, in der Konflikte ausgetragen werden. Doch wird im Rahmen von einer Supervision und Mediation (vielleicht sogar in die Richtung von Konfliktmanagement) daran gearbeitet, wie die BG-Mitglieder in Zukunft besser mit Problemen umgehen können. Während der Sitzung sind Konflikte offensichtlich geworden, die vorher noch nicht so offensichtlich gewesen waren, nun aber bearbeitet werden können. Das Ergebnis der Supervision wurde als "gut" empfunden, und die Arbeit soll auf jeden Fall fortgesetzt werden. Aus dieser Arbeit ist mindestens einem Mitglied bewußt geworden, daß ein offener Umgang sehr hilfreich sein kann, wobei das natürlich eine positive sachliche Offenheit sein soll und keine direkte Beschuldigung, die verletzen würde.

Bewußtseinsmäßig ist durch die Supervision klar geworden, daß ein bewältigter Konflikt auch ein Gewinn ist, somit eher als vorher die Notwendigkeit bewußt ist, daß Konflikte angegangen werden müssen. Wenn das nicht so ist, staut sich etwas auf, Emotionen spielen mit in die oft erst nur sachliche Angelegenheit, und es kann zur Eskalation kommen. Von Mitgliedern der HG wird aber oft nur sehr wenig von den evtl. vorhandenen Differenzen der BG-Mitglieder wahrgenommen.

Vor der Supervision haben die Mitglieder jeder nach ihrer "Methode" versucht, Konflikte anzugehen. Vermutlich sind die Lösungsversuche nicht immer so verlaufen, wie man sich das wünschen würde, und auch allgemein war der Umgang mit Differenzen wohl aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen und Fähigkeiten nicht immer ganz einfach. Durch die Supervision sind jetzt aber Methoden vermittelt worden, welche als hilfreich angesehen werden und nun geübt werden. Da gehört die klare, verständliche Äußerung hinzu, die den anderen nicht verletzen soll, die auch so deutlich sein muß, daß ein Bild, das sich ein anderer vielleicht von der Situation gebildet hat, abgeändert werden kann, damit keine Mißverständnisse auftreten. Deshalb muß man auch unbefangen und offen dem anderen zuhören, sozusagen einen Schritt neben sich machen.

5.4.5 Erfahrungen daraus, was daraus gelernt?

Eine Supervision oder auch Mediation kann den Mitgliedern sehr hilfreiche Methoden vermitteln, wie sie im Sozialen besser miteinander umgehen können, ohne sich andauernd in eskalierende Konflikte zu verstricken. Sind Fähigkeiten, wie Offenheit in der Aussprache und ein "zuhörendes Ohr" gegeben, so können Differenzen leichter ausgetauscht werden, was zum Ergebnis haben kann, daß man sich nach einem durchgearbeiteten Konflikt besser fühlt als mit einem im "Untergrund" schwelenden, unbearbeiteten.