5.3Hof 2

5.3.1 Organisation
5.3.1 Bereichsaufteilung
5.3.1.2 Besprechungen und Absprachen
5.3.1.3 Mahlzeiten
5.3.2 Soziale Strukturen
5.3.3 Konflikte und Konfliktpotentiale (Ursachen und Auswirkungen)
5.3.4 Umgang mit Konflikten
5.3.5 Erfahrungen daraus, was daraus gelernt?



Dieser Hof gehört noch zu der "jüngeren" Fraktion, sowohl was die Gemeinschaft betrifft als auch die Bewirtschaftung des Fleckens Erde im Sinne der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise. Flächenmäßig ist der Hof mittelmäßig gut ausgestattet, hat einen sehr hohen Grünlandanteil, insofern auch relativ viele sonstige Rinder, aber nur wenige Milchkühe. Allgemein würde ich die Produktionsbedingungen als "schwierig" bezeichnen. Es leben auf dem Hof auch nur wenige Menschen, relativ wenige Betriebsleiter sind da und auch nur wenige Lehrlinge.

Zum Dorf und auch in Bezug auf nachbarschaftliche Zusammenarbeit oder Maschinenaustausch bestehen keinerlei engere Beziehungen, das Verhältnis zu den Kunden ist eher mittelmäßig gut zu bezeichnen, u.a. da ein Teil der Produkte nicht direkt im Hofladen verkauft wird, zum anderen da die Kunden aus einem relativ großen Umkreis kommen. Daher ist der Hof und sind seine Menschen recht isoliert, alleine schon wegen seiner Lage außerhalb des Dorfes.

5.3.1 Organisation

5.3.1.1 Bereichsaufteilung
Dieser Hof ist so wie andere typische Hofgemeinschaften auch (vergl. KÖNIG 2002) in verschiedene Arbeitsbereiche unterteilt. Ein BG-Mitglied ist für Stall und Acker, Grünland sowie Reparaturen zuständig, ein anderes für Vermarktung, Verarbeitung, Gemüse und Verwaltung. Der Haushalt und Blumengarten, Hofpflege usw. wird von den Frauen erledigt. Hier liegt eine typische Rollenverteilung bzgl. Mann-Frau vor. Jeder verantwortet seinen Bereich selber und hat dort recht freie Gestaltungsmöglichkeiten. Lehrlinge, Gehilfe und langjährige Aushilfen helfen bei der Arbeit. Viel Arbeit (u.a. in der Vermarktung) wird insofern auch von auswärts wohnenden Angestellten (den Aushilfen) erledigt.

Zu Beginn haben die beiden interviewten BG-Mitglieder noch die Stallarbeiten gemeinsam gemacht. Es hat sich aber gezeigt, daß das nicht so ganz gut funktioniert hat, weil die Vorstellungen da doch etwas auseinander gingen, außerdem sich die Milchverarbeitung mit den Arbeitszeiten und Bedingungen im Stall nicht so ganz verträgt, deshalb hat sich der eine immer mehr aus dem Stall zurückgezogen, bis beide irgendwann einmal klar gesagt haben: Keine zwei Verantwortlichen in einem Bereich! Und damit sind sie bis jetzt sehr gut zurecht gekommen.

Ganz viel liegt natürlich zwischen allen aufteilbaren Bereichen. In diesen Fällen wird in den Arbeitsbesprechungen darüber gesprochen, oder man übernimmt die Arbeit (z.B. Hof fegen) nach Laune. Sind es kleinere Aufgabenbereiche, so wird versucht, diese einem Lehrling oder Mitarbeiter zu übergeben, der in dem Bereich dann relativ freie Hand hat.

5.3.1.2 Besprechungen und Absprachen
Genauso wie bei dem jungen Hof 1 werden auch hier täglich Arbeitsbesprechungen durchgeführt. Hier wird ein Rückblick auf den Vortag gemacht und anschließend der Arbeitsanfall dargestellt und Arbeiten verteilt. Einkäufe und Erledigungen mit Autos werden hier "gebündelt" und in Auftrag gegeben sowie Fahrzeuge "verteilt".

Verantwortlich tätige Angestellte (und potentielle zukünftige BG-Mitglieder während der "Probezeit") haben zusätzlich zu den BG-Mitgliedern in wöchentlich stattfindenden Hofbesprechungen auch ein Mitspracherecht, werden also in Fragen der Betriebsentwicklung mit einbezogen. Jedoch nicht immer, sondern nur etwa jedes zweite Mal. Hier werden Personalfragen behandelt, über größere finanzielle Anschaffungen oder Bauvorhaben bzw. Betriebsentwicklung gesprochen, wobei alle das gleiche Recht haben sich einzubringen, die Einflußnahme hängt von den persönlichen Fähigkeiten ab und der Kompetenz des einzelnen. Offensichtlich haben aber alle HG-Mitglieder (bis auf einen, bedingt) das Gefühl, in gewissem Maße Entscheidungsträger zu sein, und sind das auch gerne. Manchmal ist auch ein Elternteil des einen BG-Mitgliedes dabei, der bes. im finanziellen Bereich Rat geben kann. Grundsätzlich werden alle Entscheidungen aber im Konsens gefällt. Es gab auch einmal eine Situation, wo sich einer den Vorstellungen der anderen fügen mußte, die Entscheidung wurde dann aber von allen getragen.

Es ist ganz wichtig, die anderen über die eigenen größeren Vorhaben zu informieren (wenn z.B. eine Kuh geschlachtet werden soll). Das ist eine Art ungeschriebenes Gesetz. Es gibt eher Schwierigkeiten, wenn man nicht darüber spricht, als wenn man die anderen über die anstehenden Entscheidungen informiert. Selbst wenn man sagt: So ist das jetzt, und die anderen daran vielleicht ein wenig dran auszusetzen haben.

5.3.1.3 Mahlzeiten
Während der Arbeit draußen bestehen schon einige Möglichkeiten zu sozialen Kontakten, aber häufig arbeitet man auch ganz alleine für sich. In diesem Fall sind die Mahlzeiten Gelegenheiten, wo die anderen Personen wahrgenommen werden können, wo man sich zu verschiedensten Dingen austauschen kann. Früher war das mit den Mahlzeiten so geregelt, daß die beiden Familien mit Lehrlingen usw. zusammen aßen, aber aufgrund von unterschiedlichen Vorstellungen betreffs Kindererziehung, wann man eingreifen müsse, wurde das gemeinsame Essen aufgegeben. Es wird noch immer nur in einer Familie gekocht und das Essen dann auf die Haushalte verteilt, aber die Familien essen immer für sich, die Lehrlinge usw. sind bei der einen Familie zu Frühstück, bei der anderen zum Mittag, und Kaffee und Abendbrot machen die Familien und die Lehrlinge jeweils für sich, getrennt. Somit bekommen die Lehrlinge einen guten Überblick, kommen überall mal rein, können an entsprechendem Orte ausbildungstechnische Fragen stellen, persönliche Dinge kommen in dieser großen Runde aber eher nicht zur Sprache.

5.3.2 Soziale Strukturen


Die BG-Mitglieder sind vom Temperament her sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, was sich auch in den unterschiedlichen Herangehensweisen zeigt, wie sie an Aufgaben und Probleme herantreten. Der eine sagt klar, daß er "schon eine bedeutende Rolle" auch im Sozialen inne habe. Er ist nach eigener Aussage stark prägend für den Hof und sich dessen wohl auch bewußt, weiß aber auch, daß er bei manchen Ideen stark Gegenwind bekommt, aber doch viele Ideen den Hof betreffend entwickelt. Ein anderer Mensch weiß sich als Partner mit den anderen BG-Mitgliedern, fühlt sich aber im Verhältnis zum anderen befragten BG-Mitglied manchmal wie dessen Hilfskraft, weil ihm nicht die Beachtung und Anerkennung zukommt wie dem anderen, der mit den Kunden im Laden Kontakt und Austausch hat. Hier scheint etwas Neid zu leben, der aber "ausgeglichen" wird durch das Bewußtsein, der andere wollte ursprünglich auch in der Landwirtschaft arbeiten, kann das aber aufgrund seiner anderen Verpflichtungen auf dem Hof nicht und muß auch auf etwas verzichten.

Der im Stall und auf dem Acker tätige Mensch entdeckt einen immer größer werdenden Abstand zu den Lehrlingen und Praktikanten, denen er sich früher näher fühlte. Außerdem sehen die Lehrlinge ihn auch eher als Chef, als er sich selbst oft sieht. Das ist für ihn aber in Ordnung, solange ein gutes persönliches Verhältnis zu den Lehrlingen besteht. Es muß Klarheit in den Verhältnissen herrschen, das ist wichtig. Deutlich ist, daß die Lehrlinge bei persönlichen Dingen oder wenn sie irgend etwas in der Natur beobachtet haben, eher zu diesem Menschen gehen, bei Fragen die Lohnbuchhaltung oder das Geld betreffend wird die andere Person gefragt, die in diesen Bereichen kompetent ist. Insgesamt schätze ich aber das Verhältnis innerhalb der BG und zwischen BG und sonstigen HG-Mitgliedern für recht gut und offen ein, obwohl beide Befragten sagen, daß Informationen nicht immer so hin und her fließen, wie es optimaler Weise sein sollte, und auch beide Interviewten meinen, daß es besonders im persönlichen Bereich Tabuthemen gebe, die die unterschiedlichen Herangehensweisen und privaten Beziehungen betreffen, oder daß die Tendenz besteht, daß sich der eine immer angegriffen fühlt, obwohl der andere nur gerne wissen möchte, was der andere denkt und er dessen Herangehensweise gar nicht kritisieren will. Das wird nur leicht persönlich aufgefaßt, ist aber gar nicht so gemeint. Insofern verwundert es nicht ganz, daß es Menschen in der HG gibt (Verantwortliche), die mit dem gegenseitigen Umgang nicht ganz zufrieden sind. Auffällig ist, daß die meisten Verantwortlichen sagen, ihre Arbeit werde nicht sonderlich honoriert (was vielleicht auch gar nicht erwartet wird).

5.3.3 Konflikte und Konfliktpotentiale (Ursachen und Auswirkungen)

5.3.3.1 Persönliche Konfliktursachen
Die befragten BG-Mitglieder nannten als häufige Ursachen für Konflikte "unterschiedliche Persönlichkeiten und Herangehensweisen" sowie "Mißverständnisse und Meinungsverschiedenheiten". Dies sind deutlich persönliche Konfliktursachen, die sich dann in kleineren Reibereien Ausdruck verleihen. Diese Dinge sind besonders im privaten Bereich von Bedeutung. Weil aber das Private "Familiensache" ist und den einzelnen Mitgliedern freigestellt bleibt, da niemand dem anderen 'reinreden will, kommt das nicht so stark zum Tragen. Der hauptsächliche Austausch ist auf betrieblicher Ebene, hier werden aber eher Entscheidungen für den Hof getroffen, das Private ist dabei nicht so von Bedeutung. Außerdem sind die Bereiche ja recht selbständig, und man versucht, jeden seinen Bereich individuell gestalten zu lassen, nach vorheriger Rücksprache mit der BG. Allen Mitgliedern sind ihre Aufgaben im Betrieb klar, und bis auf eine (verantwortliche) Person sind alle mit ihren Funktionen und Rollen im Betrieb zufrieden. Um auszutesten, ob im Betrieblichen einigermaßen übereinstimmende Vorstellungen bestehen, haben sich die BG-Mitglieder vor Übernahme des Hofes zusammengesetzt (über mehrere Tage) und sich über ihre Vorstellungen ausgetauscht. In letzter Zeit fand auch eine Leitbildarbeit statt, die kurz vor der Vollendung steht. In diesem Fall hat die BG sich alleine hingesetzt und überlegt, was sie sich für den Hof vorstellt, wo Bereiche weiterentwickelt werden sollen, und insofern sind die gegenseitigen Vorstellungen den Hof betreffend abgeklärt (die sich ja auch teilweise aus Notwendigkeiten heraus ergeben).

Die Ansprüche an die Gemeinschaft sind bei den BG-Mitgliedern ganz offensichtlich übereinstimmend, da beide angeben, daß eine gemeinsame Grundrichtung, ein gemeinsames Bild vom Hof da sein müsse, daß gemeinsame Ideen und ein Bewußtsein vom Ganzen besteht (was hier offensichtlich der Fall ist), aber daß trotzdem jeder frei in seinem Bereich gestalten kann. An diesen gemeinsamen Idealen muß immer wieder gemeinsam gearbeitet werden, denn alleine das zusammen Arbeiten trägt so eine Gemeinschaft nicht. Das Privatleben ist aber eher getrennt. Wenn mal etwas zusammen gemacht wird, ist das schön, aber kein Muß.

Ein typischer persönlicher Konflikt sind Rollenkonflikte. Dadurch, daß häufig an vielen Orten Arbeit auf einen wartet, ist man leicht hin und her gerissen, wo man jetzt zuerst anfangen soll. So empfindet man Streß. Und wenn dann noch die Anforderungen der Familie hinzukommen, dann ist es oft nicht einfach, sich zu entscheiden. Aber weil Lehrlinge auf dem Hof sind und noch weitere Mitarbeiter, geht normalerweise die Arbeitszeit vor, und die familiären Angelegenheiten müssen so lange warten.

Eine Ursache von persönlichen Konflikten liegt noch in der Zeit, die man sich selber einteilen muß, dann aber mit sich selbst hadert, wenn man nicht alles schafft, was man gerne möchte. Das betrifft aber nicht so sehr die Gemeinschaft, sondern nur einen selber.

5.3.3.2 Sachliche Konfliktursachen
Mancher Konflikt muß gar nicht den individuelle Einstellungen entspringen, sondern kann auch sachliche Ursachen haben, z.B. daß Verabredungen oder Regeln nicht eingehalten werden. Dies ist - wie wohl auf jedem Hof - in der Ordnung der Werkstatt besonders deutlich wahrzunehmen. Immer wieder kann man sich über die Unordnung dort aufregen. Wie oft man das auch anspricht, es ändert sich nichts, und wenn es einem besonders stark ‚stinkt', räumt derjenige halt selbst auf. Andere Regelungen sind da "einfacher" einzuhalten. Schwierig wird's dort, wo Regelungen vielleicht nicht bekannt sind. Mit Lehrlingen oder anderen neuen HG-Mitgliedern wird halt versucht, einigermaßen abzusprechen, "wie das hier so läuft", aber inwieweit man eindringt in die Gepflogenheiten und Hintergründe, hängt auch stark von einem selber ab. Man kann alles erfragen, aber daß man sich mit denen hinsetzt und möglichst alles erzählt, das ist nicht so. Die meisten kriegen die Regeln schon im Laufe der Zeit mit, ansonsten werden sie bei "Fehlern" direkt dort gesagt. Allen ist klar, daß (bedingt) bei der Arbeit Fehler gemacht werden dürfen.

Speziell aufgrund von arbeitstechnischen Abläufen kann es auch zu Konflikten kommen, wenn die Absprachen und Arbeitsanweisungen nicht ausreichend klar sind oder Verabredungen nicht eingehalten werden. Auf diesem Hof ist der Hühnerstall ein nicht offiziell zugeordneter Teil, der manchmal vom Stall aus mitgemacht wird. Wenn sich die eine Person hin und wieder verantwortlich fühlt, dort dann erst einmal sich mit Ideen einbringt, aber dann doch nichts macht, so kann sich der andere (vom Stall) dabei unwohl fühlen - denn wäre die Aufgabe klar zugeteilt worden, hätte sie derjenige auch verantwortungsvoll bearbeiten können, dem sie zugeteilt wurde (Arbeitsanweisungen sind offenbar nicht immer klar). So war unklar, wer wieweit was geplant hatte. Hier zeigt sich deutlich, daß die eine Person aus dem Stall sich eigentlich schon sicher ist, ob sie nun in den Handlungsbereich eines anderen eingreift und das möglichst unterläßt, die andere Person dahingegen ist sich manches Mal sogar sicher, daß sie in den Handlungsbereich eines anderen eingreift und riskiert bewußt Streß, weil sie Erfahrungen gemacht hat, die sie zu diesen Handlungen veranlassen. Das wird aber eher nur dann getan, wenn der andere gerade nicht erreichbar ist und sofort gehandelt werden muß (z.B. beim Kalben einer Kuh).

5.3.3.3 Auswirkungen auf die Kommunikation
Bestehen Differenzen und Spannungen, so wirkt sich das auf die Kommunikation in sofern aus, daß erst einmal weniger miteinander kommuniziert wird. Allgemein werden weniger Informationen weitergegeben, bis der Schritt gemacht wird, wirklich offen miteinander zu reden. Die eine Person sieht den Zusammenhang genau andersherum, als erstmal offensichtlich scheint: daß nämlich dann kritische Situationen entstehen, wenn zu wenig kommuniziert wird. Wenn wieder mehr kommuniziert wird, entspannt sich meistens auch die kritische Situation wieder.

5.3.4 Umgang mit Konflikten

Offensichtlich sind sich die in der BG lebenden Menschen einig, daß es immer wieder zu Konflikten kommt, häufig zu kleineren Ärgernissen, daß das aber zum Leben dazu gehört. Obwohl immer wieder offene Konfrontationen auftreten, sich der eine oder andere auch mal "auf die Füße getreten" fühlt und es hin und wieder "richtig knallt", ist es nie so weit gekommen, daß jemand ernsthaft den Hof verlassen wollte (obwohl das mal ausgesprochen wurde). Bei jedem Streit gab es bis jetzt immer eine Lösung, mit der alle zufrieden waren.

Viele Konflikte oder auch einfach Konfliktpotentiale sind latent, immer da, aber im Laufe der Zeit ist den Menschen klarer geworden, wo beim anderen Empfindlichkeiten liegen, die dann wohlweislich so gut wie möglich vermieden werden, um dem anderen nicht schon wieder zu nahe zu treten und um den eigenen Streß einer Auseinandersetzung zu umgehen. Beide Interviewten waren sich aber einig darin, daß die Konflikte angesprochen werden müssen und eigentlich auch werden (was die restlichen HG-Mitglieder bestätigten), weil das das einzige Mittel ist, langfristig miteinander umzugehen. Die Aussprache ist allerdings nicht immer ganz direkt und sofort, sondern manches Mal geht eine Zeit des Nachdenkens der Aussprache voraus. Manche Konflikte sind auch nach außen hin bekannt, erstaunlicher Weise wollen aber z.B. Kunden gar nichts über die Hofprobleme wissen, die wehren sogar eher ab, so daß nach außen hin ein recht rundes Bild der HG besteht, was aber nicht unbedingt an den Mitgliedern der HG liegt.

Treten offensichtlich Spannungen auf, so werden die unterschiedlichen Umgangsformen (assertive und nonassertive) mit Konflikten wieder deutlich. Je nachdem, wer mit wem einen Konflikt austrägt, werden unterschiedliche Verhaltensformen an den Tag gelegt. Bei dem einen mag man vielleicht eine ironische Bemerkung fallen lassen, beim anderen traut man sich das nicht ganz. Diese Phase der noch nicht offen ausgesprochenen, aber doch offensichtlichen Konflikte ist die eigentlich schlimme, in der man sich wie gelähmt fühlt. Der eine ärgert sich nur, und bespricht die Probleme erst einmal mit seinem Ehepartner, bis man es vielleicht schafft, sie auf dem wöchentlichen Hofabend anzusprechen (was eigentlich Ziel sein sollte). Der andere frißt sie eine Zeitlang in sich hinein, bis der Punkt da ist, wo man versucht sie anzusprechen. Weil das mit dem Hofabend nicht immer so klappt, werden Probleme auch oft "bei Gelegenheit", wenn man sich gerade trifft, angesprochen, oder es kommt zum offenen Ausbruch.

Es gibt kein wirklich festgelegtes Verfahren, wie Konflikte gelöst werden, oder gar eine Vermittlungsperson. Als ein Ort, an dem sie angesprochen werden können, ist die wöchentliche Betriebsbesprechung (Hofabend) gedacht. Im Anschluß an das Betriebliche ist vorgesehen, eine "Runde" zu machen, wo jeder erzählen kann, was ihn gerade bewegt oder bedrückt, auch um die gegenseitige Wahrnehmung etwas zu verbessern. Nur leider ist oft so viel Betriebliches, daß diese "Runde" leicht zu kurz kommt. Werden hier Probleme angesprochen, so ist das optimal, wenn man aber weiß, da schwelt etwas, und es wird nicht angesprochen, keiner traut sich, den anderen zu fragen, was denn los sei, dann führt das eher zu einer Verstärkung der Differenz. Oftmals hat man aber auch Konflikte mit sich selbst und keine Lust, die dort schon wieder zu erzählen. Doch in dem Moment, wo ein Konflikt angesprochen wurde, ist er in der Regel "durchgestanden". So wird das auf dem Hof erlebt. Jedoch besteht auch die Meinung, daß man wohl noch einiges an dieser Form der Konfliktbewältigung ändern könnte.

5.3.5 Erfahrungen daraus, was daraus gelernt?


Schafft man es, Konflikte anzusprechen, so sind sie i.d.R. in dem Moment, wo sie angesprochen wurden, "durchgestanden". So wird das auf dem Hof erlebt. Jedoch besteht auch die Meinung, daß man wohl noch einiges an dieser Form der Konfliktbewältigung ändern könnte. Wenn man sich besser kennt und versteht, wäre das eine Art Prophylaxe, sollte es aber doch zu Uneinigkeiten kommen (die auch als Möglichkeiten gesehen werden, sich weiterzuentwickeln), so wäre es gut, offener miteinander umgehen zu können.

Hier wird die beste Vorgehensweise zum Beilegen von Konflikten darin gesehen, daß sie ausgesprochen werden, und zwar am besten in einem eher neutralen kleineren Rahmen, wo man in Ruhe ohne Emotionen darüber sprechen kann.