5.2Hof 1

5.2.1 Organisation
5.2.1.1 Bereichsaufteilung
5.2.1.2 Besprechungen und Absprachen
5.2.1.3 Mahlzeiten
5.2.2 Soziale Strukturen
5.2.3 Konflikte und Konfliktpotentiale (Ursachen und Auswirkungen)
5.2.4 Umgang mit Konflikten
5.2.5 Erfahrungen daraus, was daraus gelernt?




Dieser Hof wird von einer frisch zusammengesetzten Betriebsgemeinschaft betrieben, ich möchte ihn als den wirklich "jungen" Betrieb bezeichnen (obwohl er schon längere Zeit biologisch-dynamisch bewirtschaftet wird). Er hat eine durchschnittliche flächenmäßige Größe, im Verhältnis zu den anderen Betrieben relativ viele Milchkühe. Die Produktionsbedingungen habe ich als mittelmäßig eingestuft. Auf dem Hof arbeiten wenige Menschen, die Anzahl der Betriebsleiter (Verantwortliche, bzw. Mitglieder in der GbR) ist gering, im Verhältnis zu den Lehrlingen 1:1. Die Arbeitssituation scheint eher gespannt - es gibt keine festen Arbeitszeiten, und durchschnittlich wird mit 10,5 Std. Arbeit im Verhältnis zu anderen Höfen recht lange gearbeitet.

Der Hof im Verhältnis zum Dorf und seiner sozialen Einbindung ist eher für sich, hat nur einen geringen Kontakt zum Dorf, zu den Kunden bestehen eher Beziehungen, dafür ist eine enge Zusammenarbeit mit anderen Landwirten bzgl. des Austauschs von Maschinen gegeben.

5.2.1 Organisation

5.2.1.1 Bereichsaufteilung
Der Hof ist nicht wie andere in die "typischen" Bereiche Stall, Acker, Verarbeitung, Vermarktung, Haushalt... aufgeteilt (vergl. KÖNIG 2002), sondern in "Innenwirtschaft" und "Außenwirtschaft", das heißt: Ein Verantwortlicher ist draußen im Stall und auf dem Acker tätig, und ein anderer macht Buchführung, Laden, Haushalt. In der Verarbeitung und Vermarktung sind Angestellte tätig, teilweise in verantwortlichen Positionen. Die Lehrlinge sind in der "Außenwirtschaft" tätig, wenn sie wollen für einige Monate auch in der Käserei.

Auffällig ist, daß der Verein bzw. der Bereich der Hofentwicklung in Form von "neuen Ideen" den interviewten Verantwortlichen beiden im Bewußtsein ist - der eine entwickelt Ideen, der andere prüft, ob das möglich ist, und dann ist es meistens ersterer wieder, der die Idee dann auch verwirklichen muß, weil es (noch) nicht so viele andere gibt, die das könnten. Demnächst kommt aber eine weitere Familie hinzu, die nicht direkt einen Bereich übernehmen wird, sondern eher die Ideen und Vorschläge von dem einen BG-Mitglied aufnehmen und durchführen will. Das wird, so vermute ich, zumindest vorerst nicht zu dem Gefühl der "Ungleichheit" kommen, weil die "Neuen" noch nicht so viel Erfahrung in der Landwirtschaft haben. Diese "Aufgabenbereichszuordnung" ist auf dem Hof offensichtlich sehr klar, dahingegen werden Arbeitsanweisungen manches Mal (besonders von den Lehrlingen und Angestellten) als unzureichend empfunden. Auch ist deutlich, daß (bis auf einen Lehrling) sich diese nicht als Entscheidungsträger empfinden, teilweise aber auch gerne Entscheidungen treffen würden.

Diese Aufgabenbereiche wurden ganz bewußt übernommen, nach Fähigkeiten und Notwendigkeiten, denn irgendwie müssen die notwendigsten Tätigkeiten erledigt werden. Die Abgrenzung zwischen den Bereichen ist relativ klar, zumindest insofern, daß keine Konflikte aufgrund von undefinierten Zuständigkeiten auftreten.

Undefinierte Bereiche erleiden hier das gleiche Schicksal wie auf anderen Höfen auch - man schiebt sie vor sich her, bis es nicht mehr anders geht, und dann guckt man, ob man jemanden findet, der sich darum kümmert. Oder man hat gerade mal zwischendurch Zeit und kann es selber erledigen.

5.2.1.2 Besprechungen und Absprachen
Ganz selbstverständlich findet täglich eine Arbeitsbesprechung statt, die am Anschluß an das Frühstück durchgeführt wird. Hier kommen sowohl Fragen und Anweisungen für die tägliche Arbeit zur Sprache, aber auch Fragen zur Ausbildung können hier geklärt werden. Dies könnte als eine eher landwirtschaftlich geprägte Arbeitsbesprechung angesehen werden; es gibt dann noch eine weitere wöchentliche, an der alle HG-Mitglieder teilnehmen, in der dann auch Tätigkeiten im Haus und in den übrigen Bereichen des Hofes "verteilt" werden. Eine weitere wöchentliche Besprechung über die längerfristige Hofentwicklung, Personalfragen usw. wird von den BG-Mitgliedern und weiteren verantwortlich tätigen Mitarbeitern durchgeführt. Um auch mit den Lehrlingen und mit allen anderen Personen alles Wichtige, was alle betrifft, zu besprechen, soll es einen "Hofabend" einmal monatlich geben, der aber leider häufig nicht stattfindet. Einige "kleinere" Dinge werden morgens zwischen den beiden "Hauptverantwortlichen" im Bereich der Landwirtschaft abgeklärt. Bis zu einer gewissen Größe werden Entscheidungen nur zwischen den beiden abgesprochen, nur größere Dinge gelangen in die BG-Besprechung, wobei das "größer" nicht nominal festgelegt ist, aber jeder ein Gefühl dafür hat, ab wann eine Entscheidung von allen im Konsens getroffen werden muß und ab wann in den Bereichen selbständig beschlossen werden darf. Ein Problem tritt bei verantwortlichen Angestellten auf. Hier besteht die Tendenz, daß von dieser Person weniger Ideen und Eigeninitiative in die Hofentwicklung gesteckt wird, worüber sich die BG-Mitglieder aber freuen würden. Ein anderer Fall ist die Situation, daß die beiden landwirtschaftlich verantwortlichen Personen häufiger in Kontakt miteinander stehen, sich öfters austauschen und insofern manche Information nicht alle Verantwortlichen erreicht, oder daß man schon öfters darüber geredet hat, nur die eine Person hat es immer noch nicht mitbekommen, weil sie nicht immer bei den Besprechungen war und einfach weniger Absprachen zwischen den Personen erforderlich sind. Damit hier kein Gefühl der Ausgegrenztheit entsteht, sind die wöchentlichen BG-Treffen dringend notwendig.

Früher wurde mal eine Leitbildarbeit durchgeführt, aber nicht mit allen momentan anwesenden BG-Mitgliedern. Trotzdem besteht eine unausgesprochene Übereinstimmung, was die Grundlagen zum biologisch-dynamischen Wirtschaften und eine Hofgemeinschaft betrifft. Jährliche Ziele werden am Jahresanfang gemeinsam besprochen und aufgeschrieben und dann im Laufe des Jahres verwirklicht. Hier bestehen vielleicht etwas unterschiedliche Vorstellungen betreffs der Umsetzung der Ziele - der eine sagte, es würde klar festgelegt, wer was macht, der andere sagt dies nicht. Insgesamt wird gewünscht, daß es mehr Menschen auf dem Hof geben solle, die Ziele formulieren und verfolgen, was mir ein wenig im Gegensatz dazu steht, was den jetzigen BG-Mitgliedern im Sinne ist, daß nämlich der Hof nicht weiter in Bereiche aufgegliedert werde oder gar mehrere Leute in einem Bereich "das Sagen" haben sollen.

Es ist noch nicht oft vorgekommen, daß Entscheidungen aufgrund von Uneinigkeiten verschoben wurden. Bei Fragen, bei denen die BG-Mitglieder meinen, sie könnten nicht alleine entscheiden, werden von außerhalb Menschen hinzugezogen. Auch potentielle Neueinsteiger werden sofort in alle Besprechungen und Entscheidungen mit einbezogen, und wenn die Neuen noch nicht so viel Fachwissen haben, hoffen die anderen, daß diese zumindest gute Nachfragen stellen. Entscheiden tut dann der, der sich entscheidungsfähig gemacht hat, also Kenntnis bzw.und Sachkompetenz erworben hat. Die meisten Entscheidungen sind auch nicht wirklich Meinungsabhängig, sondern entspringen einer gewissen Notwendigkeit den Betrieb betreffend.

Bedeutend ist, die anderen auch über die eigenständig getroffenen kleineren Entscheidungen zu informieren, sonst entsteht leicht das Gefühl, "übergangen" worden zu sein, daß also eine Art von "Ungleichheit" trotz der angestrebten "Gleichheit" der BG-Mitglieder auftritt, was eine Menge Konfliktpotential in sich birgt.

5.2.1.3 Mahlzeiten
Genauso wie auf anderen Hofgemeinschaften haben die Mahlzeiten hier eine bedeutende Funktion in Bezug auf den sozialen Austausch, das gegenseitige Wahrnehmen und somit für das Zusammengehörigkeitsgefühl. Zwischenmenschliche Probleme oder gar Konflikte gehören hier aber nicht hin.

Die Mahlzeiten sind so geregelt, daß es morgens in der einen Familie eine große Frühstücksrunde mit Lehrlingen usw. gibt, das Käserei-Team ißt meistens nochmal extra, mittags wird reihum in einer Familie gekocht und das Essen dann auf die Familien verteilt. Das wird als ganz angenehm empfunden. Die Lehrlinge und Mitarbeiter essen zu Mittag aber in der anderen Familie mit, so daß sie mit möglichst vielen Personen des Hofes soziale Kontakte aufnehmen können. Abends ißt jede Familie und essen auch die Lehrlinge für sich.

5.2.2 Soziale Strukturen
Im Sozialen und auch im arbeitswirtschaftlichen Bereich bestehen gar nicht so feste Strukturen, wie das manchmal angenommen werden könnte. Zumindest die eine interviewte Person meint, daß der gegenseitige Umgang recht locker sei, auf der einen Seite unstrukturiert, andererseits aber auch unkompliziert. Das ist wohl nur so, weil sich keiner auf die Füße getreten fühlt, wenn in seinem Bereich etwas angemerkt wird - hier liegt eine gute "Feedback-Kultur" vor, man freut sich sogar eher, wenn jemand Veränderungsvorschläge einbringt oder Dinge in Frage stellt. Diesen lockeren Umgang mit ziemlich offener Kommunikation, mit nicht ernst gemeinten und auch nicht so aufgefaßten neckischen "Vorwürfen" und "Aufforderungen/Befehlen" kann ich aufgrund meiner eigenen Erfahrung bestätigen. Es gibt wenige festgelegte Abläufe, wie z.B. die morgendliche Besprechung, vieles läuft dann zwischen Tür und Angel, wenn gerade mal die Zeit dazu ist, die gesamte Einstellung ist eher "jugendlich", möchte ich sagen, die unterschiedlichen Fähigkeiten werden von beiden Seiten gleich hoch geschätzt. Tabu-Themen waren dem einen Interviewpartner gar nicht präsent, der andere meinte lediglich, ein paar persönliche Dinge würde er nicht unbedingt ansprechen, und auch andere Leute auf dem Hof würden dies meiden. Es ist aber auch nicht für das gemeinsame Leben notwendig, über diese persönlichen Vorlieben und Abneigungen mit dem anderen zu sprechen. Häufig werden dahingegen Probleme in den Arbeitsbereichen, oft auch die personelle Besetzung betreffend, besprochen, das ist für den Hof lebensnotwendig.

Eine Menge dieser sozialen Kontakte hängt eng zusammen mit dem, was Arbeit betrifft. Denn diese Bereiche sind auf einem Hof kaum zu trennen und die HG-Mitglieder wollen das auch gar nicht. Lehrlinge sollen einen Einblick in dieses Zusammen-Leben und Arbeiten bekommen können, insofern werden sie auch über sehr vieles (auch Hofinternes) informiert und in Entscheidungsprozesse mit einbezogen, um daran teilnehmen zu können. So optimal, wie das angedacht ist, sieht aber die Praxis nicht aus. Es haben Lehrlinge und Praktikanten offensichtlich weniger Chancen, ihre möglichen Einflußnahmen an den Hof heranzutragen, außer sie würden sich selber sehr dafür einsetzen.

Notwendig ist aber auch ein privater Teil, in den sich jeder bei Bedarf zurückziehen kann. Es wird als angenehm empfunden, daß den Tag über viele Kontakte möglich sind, ohne, daß man sie organisieren muß. Die Verbindung zwischen den HG-Mitgliedern scheint insofern sehr eng und harmonisch, schwieriger ist es, solchen Mitarbeitern das Zugehörigkeitsgefühl zu vermitteln, die nicht auf dem Hof leben und insofern nicht so leicht außerhalb der Arbeit angesprochen werden können und nicht so viele Kontakte haben zu den dort lebenden Mitgliedern. Ein Interviewpartner sagte, daß es ihm zu mühsam sei, täglich zu fragen, wie es dem anderen denn heute gehe. Diese Person wünscht sich, daß jeder von sich aus klar sagt, was los ist, was er braucht oder was ihm zu viel ist. Das scheint diese Person selber auch zu praktizieren, und innerhalb der BG scheint es deshalb keine Unstimmigkeiten zu geben. Alle HG-Mitglieder sind mit dem gegenseitigen Umgang untereinander zufrieden und fühlen sich von der Gemeinschaft getragen, obwohl keine Gleichberechtigung vorliegt (im rechtlichen Sinne).

So wie in jeder Gruppe gibt es auch hier "Rollen", die eine, die Neues einbringt, eine andere, die diese Ideen kritisch hinterfragt und auf Durchführbarkeit prüft. Eine, die sich als "zentral" empfindet, die bei vielen Problemen angesprochen wird, eine andere, die sich als sehr bedeutend empfindet, weil sie "der Ausbilder" ist und einfach vieles kann, was andere (praktisch) nicht können oder machen mögen. Diese Personen vermeiden tunlichst, Aufgaben auf andere abzuschieben, oder zumindest drüber zu sprechen, warum sie das nicht selber machen, sind insofern auch bereit, unangenehme Tätigkeiten zu erledigen, die Lehrlinge werden davon offensichtlich eher verschont.

5.2.3 Konflikte und Konfliktpotentiale (Ursachen und Auswirkungen)

5.2.3.1 persönliche Konfliktursachen
Bei den BG-Mitgliedern, die ja längere Zeit miteinander auskommen müssen als mit ihren Lehrlingen, besteht die glückliche Konstellation, daß sie offensichtlich sehr ähnliche oder gar gleiche Vorstellungen von einer biologisch-dynamischen Landwirtschaft und einer Hofgemeinschaft sowie dem Leben dort haben. Somit kommt es so gut wie nie zu Meinungsunterschieden, die nicht sachlich begründet werden könnten. Als Konfliktursachen werden hier unausgesprochene Erwartungen und Arbeitsüberlastung genannt, die in den Bereich der persönlichen Ursachen fallen, letztere deshalb, weil man dann die eigenen Vorstellungen und Wünsche, wie man sich seine Tätigkeit vorstellt, nicht so ausführen kann wie gedacht.

Ein auch auf anderen Hofgemeinschaften auftretendes Konfliktpotential liegt in bereichsüberschneidenden Gebieten, z.B. dem Grünland, das häufig vom Ackerbauer bearbeitet wird, vom Kuhbauern aber das Futter verwendet wird. Wenn jetzt die beiden Menschen unterschiedliche Meinungen zum optimalen Schnittzeitpunkt des Grases haben, kann es zu Konflikten kommen (aufgrund ungenügend abgeteilter Bereiche, die in den sachlichen Bereich gehören, der Konflikt entzündet sich aber an den unterschiedlichen Einstellungen der Menschen). Die Bereichszuordnung ist hier aber geklärt, so daß jetzt nur noch manchmal Unstimmigkeit darüber herrscht, wie man seine Verantwortung auszuüben habe, in wieweit man sich einsetzen solle für den Hof, wie streng Arbeitszeiten wahrgenommen werden (offiziell gibt es bei den Lehrlingen und BG-Mitgliedern keine festen Arbeitszeiten, nur bei den Angestellten; bis auf den einen befragten Angestellten und einen Lehrling sind die anderen aber mit den Arbeitszeiten zufrieden). In diesem Bereich der Erwartungen wird hier manches unbewußt gewünscht, wenn man es sich aber ins Bewußtsein holt, so hat man auch Verständnis für die andere Position.

Erwartungen waren auch in einem anderen Fall der Auslöser für das Ausbrechen eines Konfliktes: Es war die Situation, daß jemand dies und jenes und das auch noch auf seiner Tour in die Stadt erledigen sollte, ihm das aber zu viel wurde. Er gab ein Donnerwetter ab, und damit war die Grenze klar, wieviel von dem Menschen erwartet werden konnte, und das wurde gerne akzeptiert.

Ähnlich auch die Sache, daß es oft schwer ist, die Grenze zu ziehen, wieviel macht man für den Hof, und wieviel Zeit braucht man für sich selber, und wie stark darf man den anderen mit meinem "Abgrenzungsproblem" belästigen, inwieweit muß ich selber mir Grenzen setzen. Das ist ein typischer Rollenkonflikt, dem wohl jede engagierte Person anheim fallen kann.

5.2.3.2 Sachliche Konfliktursachen
Mancher Konflikt muß gar nicht aufgrund individueller Einstellungen entspringen, sondern kann auch sachliche Ursachen haben. Auf diesem Hof wurde "Geld" genannt, das schnell zum zentralen Thema wird, wenn es nicht ausreichend vorhanden ist, und woraufhin eine sehr angespannte Situation entstehen kann, die Toleranz gegenüber "Fehlern" von anderen abnimmt und es leichter zu Streit und Vorwürfen kommt. Bei diesem Hof liegt der Fall vor, daß sich die BG in einer finanziell schwierigen Lage gebildet hat, diese Umstände aber wohl weniger zu schwerwiegenden Konflikten innerhalb der jetzigen BG führen.

Speziell aufgrund von arbeitstechnischen Abläufen kann es auch zu Konflikten kommen, wenn die Absprachen und Arbeitsanweisungen nicht ausreichend klar sind. Auf diesem Hof könnte es im Bereich der Arbeitsanweisung zu Konflikten kommen, weil einige Mitglieder der HG meinen, sie seien nicht klar und deutlich.

Eine Vermutung von mir war, daß es aufgrund der maschinellen Ausstattung der Höfe zu Unzufriedenheit und Konflikten kommen könnte. Hier verwundert das Ergebnis, daß alle befragten HG-Mitglieder die Maschinenausstattung als teilweise veraltet, teilweise neu, aber fast immer funktionstüchtig beschreiben, daß es aber immer wieder ‚Ärger mit der Technik gibt', obwohl die meisten Geräte wohl vorhanden sind. Doch muß trotzdem immer wieder improvisiert werden, und es kann nicht effektiv gearbeitet werden, was aber nur ein paar Personen stört. (Dieses Ergebnis verwundert mich etwas).

5.2.3.3 Auswirkungen auf die Kommunikation
Die Auswirkungen auf die Kommunikation sind nicht sehr gravierend. Tritt mal ein gereizter Unterton auf, so hat man das Gefühl, der sollte sich mal hinsetzen und über das Problem reden, aber in der jetzigen BG ist es noch zu keiner schwerwiegenden Auseinandersetzung gekommen, insofern liegen hier keine Erfahrungen vor, wie sich die doch ziemlich offene Kommunikation in diesem Falle ändern würde. Deutlich ist nur, daß es aufgrund von geringer Kommunikation zu Mißverständnissen und Konflikten kommen kann, daß dies aber als überflüssig und lästig angesehen wird, weil auch mehr Leute in die Sache hineingezogen werden, als eigentlich betroffen sind, und insofern wird solchen lähmenden Situationen tunlichst vorgebeugt, sie werden vermieden.

5.2.4 Umgang mit Konflikten
Zwei der BG-Mitglieder "lösen" Konflikte offensichtlich gerne passiv. Zuerst sollten die Emotionen nicht mehr zu stark sein, und zumindest der eine Interviewpartner möchte gerne erst einmal für sich Klarheit in der Sache haben, bis er sie offen anspricht. Daraus ergibt es sich, daß für Außenstehende vielleicht das Bild entsteht, Konflikte würden verschleppt. Das mag teilweise der Fall sein, dieses "Verschleppen" wird aber aus dem Grund vorgenommen, daß man abspürt, wann man aufgrund seiner Position auf dem Hof gezwungen ist, einzugreifen, oder daß man einen passenden Moment abwarten will. Manche Dinge lösen sich auch von ganz alleine. Z.B. wurde die Änderung einer Aufwandsentschädigung nicht gleich mitgeteilt. Das löste Ärger und das Gefühl von Beleidigung aus, weil das aber in einer Situation angesprochen wurde, wo der andere nicht viel dazu sagen konnte, mußte er das zunächst einmal hinnehmen, und nach ein paar Tagen war der Ärger verflogen, und es entwickelte sich kein Konflikt daraus. Bei diesem Umgang ist verständlich, daß beide Interviewpartner sagten, daß es eher wenige Konflikte gäbe, daß es sie gibt wird aber von keinem der HG-Mitglieder abgestritten. Diese relative Konfliktarmut der jetzigen Besetzung mag auch daher rühren, daß gerade auf dem Hof vor der jetzigen Besetzung sehr viele Konflikte immer stärker eskalierten. Ein weiterer Grund der Konfliktarmut ist offensichtlich darin gegeben, daß alle auf dem Hof ein Gefühl für Konfliktpotentiale haben, und daß diese angegangen werden, bevor sie sich zu einem Konflikt mit offenen Konfrontationen entwickeln können.

Die wichtigste Form der Konfliktbewältigung, so sagte die eine interviewte Person, findet immer im einzelnen Gespräch statt. So ist auch verständlich, daß schwierige, Themen, bevor sie in der wöchentlichen BG-Besprechung angesprochen werden, meist im Vorhinein abgeklärt werden, in kleiner Runde, evtl. mit Hilfe von außen, damit andere davon möglichst verschont bleiben. Sollte es einmal zu einer kritischen Situation kommen, so ist klar, daß es dann auch einmal zu einer Krisensitzung kommen muß.

5.2.5 Erfahrungen daraus, was daraus gelernt?
In dieser Gemeinschaft wird über Weihnachten etwas gemeinsam unternommen, was alle miteinander sehr stark verbindet, wobei aber keine Konflikte angesprochen werden. Es wird z.B. gelesen, oder Jahresziele werden aufgestellt. Das bildet einen tragenden Untergrund, und weil dieser als eine gemeinsame, einander verbindende Ebene besteht, können Konflikte immer wieder beigelegt werden, auch ohne daß es eine bestimmte Konfliktlösungsstrategie gibt. Dabei hilfreich ist eine gewisse Selbstreflexion und Selbstkritik, also daß man den Eigenanteil am Konflikt erkennt, außerdem Toleranz, Langmut und eine gute Gesprächskultur, evtl., bei Bedarf, auch eine Gesprächsführung.