1 Einleitung


Ich kann nicht sagen, ob Du, lieber Leser, Erfahrungen mit dem Leben in Hofgemeinschaften hast oder nicht. Wenn Du es hast, wirst Du wissen, daß dort nicht nur auf dem Acker gearbeitet wird, sondern auch viel an der Gemeinschaft und den Problemen, die sich aus dem ergeben, was die Menschen an Unterschieden in ihrem Denken, Wollen und Handeln mitbringen. Wenn Du keine Erfahrung damit hast, wirst Du aus irgendeinem anderen Zusammenhang die Probleme kennen, die sich allgemein in Gruppen breitmachen können, wenn es heißt, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten. Nur was machen die Beteiligten, wenn es zu Konflikten kommt? Wie gehen sie vor? Was bewirken die Konflikte, und wo kommen sie her? Gibt es immer jemanden, der ‚schuld' ist, wenn etwas nicht ‚richtig' läuft? Oder werden die Probleme einfach möglichst vertuscht, um sich nicht so viel aufregen zu müssen? Gibt es vielleicht so etwas wie eine ‚optimale Lösung'?

Die Antworten zu diesen Fragen und noch weiteren möchte ich im folgenden versuchen, einigermaßen verständlich und möglichst knapp darzustellen.

Ich habe die Arbeit dazu in Hauptteile gegliedert. Vor dem ersten Hauptteil ist beschrieben, was eine biologisch-dynamische Hofgemeinschaft für mich ausmacht, und wo dort die größten Probleme im sozialen Miteinander liegen. Daran anschließend sind die Hypothesen aufgeführt, die wiedergeben, welche Umstände ich vermutete. Es folgt im ersten Hauptteil die Zusammenfassung einer Literaturrecherche zum Thema "Konflikte in Organisationen oder Gruppen". Der zweite Hauptteil beinhaltet die Ergebnisse, die meine empirische Untersuchung ergeben hat - hier werden 5 Hofgemeinschaften beschrieben mit ihren Strukturen, Problemen und dem Umgang untereinander. Auch einen Berater/Mediator lasse ich zu Wort kommen. Und was natürlich nicht fehlen darf: Die Zusammenführung der Ergebnisse und deren Deutung im Hauptteil 3. Erstaunlicherweise zeigt sich hier, daß die Ergebnisse teilweise weit über die Hypothesen hinausgehen, daß es tatsächlich so schwerwiegende Probleme wie unterschiedliche Vorstellungen zum Hof und seinen ‚Sinn und Zweck' gibt oder daß viele Konflikte aus ‚unausgesprochenen Erwartungen' entstehen - dabei sollte man doch meinen, in einer solchen Gemeinschaft kann man sich alles sagen - kann man vielleicht auch, wird aber wohl manches Mal nicht für nötig gehalten, wenn man von einem gemeinsamen Grundverständnis ausgeht, was nicht immer gegeben scheint. Damit die Leser nicht ganz allein gelassen sind mit ihren Problemen stelle ich im Hauptteil 4 zwei mögliche Vorgehensweisen zur Bearbeitung von Konflikten vor.

Ich wünsche viel Vergnügen beim Stöbern, Lesen, Forschen und Nachdenken!

Jenifer Wohlers